Für Action-Liebhaber, Teil 2

Das Google Analytics Vögelchen hat mir geflüstert, dass mein erster Auszug für Action-Liebhaber gut bei Euch angekommen ist. Daher habe ich mich für eine Zugabe entschlossen…


René hatte den Abstand zum gegenüberliegenden Dach in den letz­ten Tagen so oft taxiert, dass er die notwendige Geschwindigkeit seines Anlaufs exakt traf. Noch in der Luft bog er den Oberkörper nach unten und zog die Beine an. Er begann sich zu drehen. Einen Wim­pernschlag später streckte er sich wieder und nahm sein Stand­bein nach vorne. Als seine Füße den Boden des Dachs berührten, ent­spann­te er seine Oberschenkelmuskulatur, schob seine rechte Schul­ter nach vorne, faltete sich zusammen und fing den Schwung des Sturzes mit einer Rolle ab. Kurz bevor er die Rolle über den Boden beendet hatte, spannte er seine Beinmuskeln wieder an und ließ sich vom eigenen Schwung auf die Füße heben.

Rechts neben sich nahm er schemenhaft eine Gestalt wahr, die etwas auf Arabisch rief. René achtete nicht auf den Mann und lief mit voller Kraft weiter auf das nächste Haus zu, dessen rau verputzte, fenster­lose Seitenwand das Dach um mehre­re Meter überragte.

Das wird gehen. In vollem Lauf sprang er ab und streckte seinen rechten Fuß nach vorne an die Wand. Als der Fuß auf die Wand traf, drückte René sein Bein mit aller Kraft durch, zog das andere Bein hinterher und lief ein paar Schritte die Wand rauf. Im letzten Augen­blick streckte er sich, bekam die Dachkante zu fassen und zog sich mit kraftvoll nach oben.

René erlaubte sich einen kurzen Blick nach unten. Der Mann, der wohl auf dem Dach gelegen hatte, war auf dem Weg zu einem Stapel Kisten an der Seitenwand des Gebäudes, das er selbst gerade erklom­men hatte. Am Fenster ihres Zimmers stand der Araber, der Lucas mit dem Elektroschocker betäubt hatte und sah herüber.

René wandte sich um und rannte weiter. Er überquerte mehrere, mehr oder weniger zusammenhängende Dächer. Weit hinter sich, mit zunehmenden Abstand, hörte er die Geräusche seines schwer­fälligen Ver­folgers.

Ein paar Dächer weiter tat sich vor René eine Straßenschlucht auf und instinktiv streck­te er sich zum Sprung. Die Kraft des Adrenalins, aber noch viel mehr seine jahrelange Erfahrung, trugen ihn sicher über den Abgrund. Er fing seinen Aufprall wieder mit einer Rolle ab, kam auf die Beine und blieb stehen. Einige Sekunden später erschien sein Verfolger an der Dachkante an und schaute in die Tiefe.

Das schafft er nicht, hoffte René und rannte weiter.

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