Künstliche Intelligenz und neuronale Netze

Kaum ein Thema polarisiert derzeit so stark, wie die Diskussion um die zukünftigen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Dabei ist das Heilsversprechen des denkenden Computers bereits fast so alt, wie die Disziplin der Informatik selbst. Eine der ältesten Programmiersprachen, LISP, wurde geschaffen, um symbolische Datenverarbeitung zu ermöglichen und damit die frühen, meist zimmergroßen Computer zu etwas anderem einzusetzen, als zum profanen Rechnen. Recht schnell kamen dann auch die ersten Versprechen aus der Riege der Wissenschaftler, dass der Computer irgendwann dem Menschen in Sachen Intelligenz ebenbürtig sein würde. Eingelöst wurde das Versprechen bis heute nicht.

Intelligenz ist also offensichtlich weit mehr, als die Fähigkeit, Musteranalyse zu betreiben und Lösungsstrategien für gestellte Aufgaben zu entwickeln. Denn auf diese beiden Kernfähigkeiten hat sich im Wesentlichen die KI-Forschung in den 70er und 80er Jahren fokussiert. Recht schnell wurde deutlich, dass die KI ihre wilden Versprechen nicht erfüllen können wird und es wurde eine Zeitlang wieder recht ruhig um das Thema. Und wir beschäftigten uns mit Windows…

Allerdings ist in dieser Zeit auch ein bahnbrechendes Buch entstanden, dass ich nur jedem ans Herz legen kann: Gödel, Escher, Bach von Douglas R. Hofstadter, für das er 1980 den Pulitzer-Preis verliehen bekommen hat. Eine Passage in diesem Buch beeindruckt mich heute noch. Er beschreibt dort seine Idee einer künstlichen Intelligenz, die symbolische Darstellungen so lange übereinanderschichten, bis diese eine Komplexität erreicht haben, so dass sie in der Lage sind, sich reflektiv selbst zu beschreiben. Hier kommen also zwei neue Konzepte dazu, aufeinander aufbauende Abstraktion und eine Form des Bewusstseins.

Zu der Zeit, als Hofstadter sich auf der Höhe seines Schaffens befand, steckte die Technik der neuronalen Netze, d. h. die Simulation neuralsynaptischer Strukturen, noch in den infantilen Anfängen. Weder war die notwendige Computerleistung verfügbar, noch waren die Algorithmen ausgereift. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten seit der Veröffentlichung von Gödel, Escher, Bach aber grundlegend geändert und die künstliche Intelligenz erlebt aktuell ihre Renaissance.
Computer besiegen den Menschen in den komplexesten Spielen. Insbesondere die erschreckende Dominanz der Google-Intelligenz AlphaGO über den Großmeister Lee Sedol ist ein Meilenstein, da sich dieses Spiel nicht algorithmisch meistern lässt. Dafür sind die kombinatorischen Möglichkeiten schlicht zu groß. Nun, AlphaGo basiert auf einem trainierten neuronalen Netz.
Aber auch in anderen Gebieten leisten neuronale Netze Erstaunliches. Selbstfahrende Autos und digitale Assistenten erobern unseren Alltag. Aber auch der gläserne Mensch in der digital kommerzialisierten Welt wäre ohne den Einsatz von KNNs nicht denkbar.

Eine Eigenschaft haben all die erfolgreichen KNN-Ansätze gemeinsam, nämlich dass neuronale Netze zur Abstraktion übereinandergeschichtet werden. Man spricht hier von sogenannten Deep-Learning-Architekturen. Und das bringt mich zurück zu Hofstadter und seiner Idee, dass eine echte künstliche Intelligenz dann entstehen wird, wenn genügend symbolische Schichten übereinandergestapelt werden, sodass sich das System selbst beschreiben, selbst verstehen kann und damit ein Bewusstsein entwickelt. Vielleicht sind wir ja gar nicht mehr so weit weg von der ersten wirklichen künstlichen Intelligenz.
Und wer weiß, was da auf uns zukommt. Zumindest Elon Musk hat Angst davor. Und er muss es wissen, immerhin baut er selbstfahrende Autos.

2 Antworten auf „Künstliche Intelligenz und neuronale Netze“

    1. Wie war das noch gleich? Sag niemals nie…

      Ich denke, wir stehen gerade am Anfang einer spannenden Entwicklung. Ob sie uns die erste wirklich künstliche Intelligenz bescheren wird? Keine Ahnung. Aber irgendwann werden wir dies sehen. Technologieentwicklung ist immer exponentiell und auch diese letzte Bastion wird sicher fallen. Wahrscheinlich wird das Ergebnis aber anders aussehen, als viele es möglicherweise erwarten. Wir stellen uns das in der Popkultur sicherlich zu menschlich vor. Das Verhalten einer Intelligenz wird aber auch von der Sensorik bestimmt, und ein menschlicher Körper ist nun mal was ganz besonderes.

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