Schreiben als Reise

Doppelstrichfeder mit Strich und SchriftbeispielEine Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Sinngemäß ist dieser Satz auf den chinesischen Philosophen Laotse zurückzuführen und er will uns damit sagen, dass man seine Ziele nicht dadurch erreicht, dass man alles genau plant, sondern dadurch, dass man den Mut besitzt, loszugehen.

Wie überträgt sich nun dieser Gedanke auf die Arbeit eines Autors? Insbesondere auf das Schreiben eines 700 Seiten langen Romans?

Die Antwort ist einfach. Das Schreiben ist der wichtigste Teil der Reise. Man muss also einfach anfangen. Und wie bei jeder Reise ins Unbekannte gilt auch hier, so viel Planung wie nötig, so wenig wie möglich.

Natürlich braucht man für eine Geschichte eine Idee, einen Plot. Im konkreten Fall hatte der Plot für Der Kristall schon länger in meinem Kopf Gestalt angenommen, bevor ich die erste Zeile verfasst habe. Allerdings hatte dieser Plot noch viele Freiräume und ungelöste Fragen, die genug kreativen Spielraum beim Schreiben zuließen. Um im dem Bild der Reise zu bleiben, kannte ich die Orte, die ich besuchen wollte, aber ich wusste nicht, was mich dort erwartete. So konnte ich der Geschichte ihren Lauf lassen, während ich die Charaktere entwickelte und die einzelnen Handlungsstränge aufbaute.

Was hatte ich also zu Beginn?

  • Die Entscheidung zwei ineinander gewobene Geschichten zu erzählen. Die eine aufgebaut nach dem Monster/Helden Schema, die andere dem klassischen Aufbau des Dramas folgend.
  • Für beide Geschichten eine Zusammenfassung der Handlung, inkl. der wichtigsten Charaktere, Ereignisse und Handlungsorte.
  • Die Entscheidung, beide Geschichten in 5 Akten zu entwickeln.

Und dann ging es los. Ich habe die Geschichte linear geschrieben, d. h. mit dem ersten Kapitel begonnen und mit dem letzten beendet. Dabei haben sich erstaunliche Dinge ereignet, Dinge, die ich vorher nicht geplant hatte. Natürlich hat sich damit auch der Plot an der ein oder anderen Stelle verändert oder ein Charakter bekam Nuancen, die ich so nicht erwartet hatte. Aber in Summe ist die Geschichte die geblieben, die ich von Anfang an nebelhaft im Kopf hatte. Jetzt, am Ende der Reise kenne ich sie aber ganz genau.

Ich weiß, dass dieser Weg nicht für jeden passt. Wer aber das Schreiben als einen Weg ins Unbekannte versteht, ganz im Sinne von Laotse, der mag mit dieser Methode Erfolg haben. Und er wird sich auf der Reise immer wieder selbst überraschen.

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