Die eigene Webseite – 10 Tipps für den einfachen Einstieg

WorpressIch bin in einer Autorengruppe gebeten worden, den Weg zur eigenen Buch-Webseite mal zu beschreiben. Das will ich gerne tun.

  1. Gestaltung will gelernt sein
    Beginnen wir – am Anfang. Jede Webseite ist eine Botschaft. Sie hat einen Sender und einen Empfänger. Und wie der Köder dem Fisch schmecken muss, muss auch die Botschaft für den Empfänger formuliert sein und sie muss ihn auch erreichen. Dazu später mehr.
    Ein weiterer Teil der Botschaft ist die Gestaltung und der Inhalt. Sicher der wichtigste und der schwerste Teil. Ich kann nur dringend raten, sich vor dem Aufbau einer Seite über das grundlegende Design, die Farb- und Formensprache und die Typographie Gedanken zu machen. Moderne Webseiten haben ein paar Gemeinsamkeiten, die man kennen sollte. Große, serifenlose Schrift (18 ist das neue 12), luftig angeordnete Elemente, flache, klare Strukturen, um mal ein paar Designregeln zu nennen. Die Farbgebung ist wiederum vom Thema abhängig. Der Kristall ist ein Thriller, also ist eine dunkle, bedrohliche Farbpalette das Mittel der Wahl. Der Hintergrund ist dunkel, fast schwarz und in vielen farblichen Elementen ist ein hoher Rotanteil vorhanden.
    Traffic auf der WebseiteEbenfalls sehr wichtig ist die Lesbarkeit der Seite auf mobilen Devices. Fast die Hälfte der Besucher kommt über Smartphones und Tablets auf meine Seite. Die Seite muss sich also darauf anpassen können, Stichwort Responsive Design. Dieses Thema wird i.d.R. aber bereits durch die Technik adressiert. Man muss sich selbst nur noch um den Feinschliff kümmern. Ich habe beispielsweise noch die Menüleiste für kleine Devices optimiert.
    Wer sich all das zutraut, darf gerne selber machen. Allen anderen rate ich dringend, sich einen Entwurf von einem Profi machen zu lassen.
  2. Struktur – Content rocks
    Wird es eine statische Visitenkarte oder soll die Seite über die Zeit zunehmende Inhalte bekommen? Sollen Besucher der Seite mit dieser interagieren können? Bewertungen, Kommentare, Möglichkeiten zur Rückmeldung laden ein und so entsteht zusätzlicher Inhalt, der für weitere Besucher relevant ist. Und zu den Besuchern zählen auch die Suchmaschinen und diese finden statische Visitenkarten-Webseiten auch nicht sonderlich spannend.
  3. Technik – die Qual der Wahl
    Wenn wir jetzt mal die von Grund auf selbst gebaute Webseite mit HTML, CSS und Javascript außer Acht lassen, gibt es verschiedene Wege. Zuerst einmal wären dort die Online-Webseitenbaukästen wie wix.com, jimdo.com und viele andere. Einfach mal nach „Webseite selber erstellen“ suchen, da werden sie geholfen. Diese Baukästen eignen sich am besten für einfache, statische Seiten. Der Vorteil ist ihre zugängliche Bedienung und ein schnelles Setup. Nach meiner eigenen Erfahrung stößt man aber recht schnell an die Grenzen der Gestaltungsmöglichkeiten. Daher würde ich auch demjenigen, der sagt: „Ach, ich brauche nicht viel…“, dringend raten, direkt mit einem CMS (Content Management System) anzufangen. Der Einstieg ist nur unwesentlich schwieriger und lässt alle Freiheiten bei der weiteren Entwicklung der Seite. Der zugänglichste und zugleich sehr mächtige Vertreter dieser Art ist WordPress. Entstanden aus einer Umgebung für Blogger ist WordPress heute eine kostenlose, vollwertige Umgebung zur Gestaltung professioneller Webseiten. Auch die Seite zu meinem Buch Der Kristall ist mit WordPress gebaut.
  4. Installation und Betrieb – Cloud sei Dank so einfach wie nie
    Natürlich nicht auf dem heimischen PC. Eine gehostete WordPress Installation mit eigener Domain kostet aktuell um die 4 Euro im Monat. Hier hilft eine Suche „Wordpress hosten“. WordPress selber kostet nichts und auch die Myriaden an Erweiterungen, bis hin zu kompletten Lösungen für eCommerce Shops sind i.d.R. kostenlos, sofern man mit einem einfachen Set an Funktionen auskommt. Also, Hoster aussuchen, sich durch die zumeist sehr einfache Installations-Oberfläche klicken und normalerweise hat man nach einer Stunde seine Domain und eine leere Webseite am Laufen.
  5. Die eigene Domain – absolute Pflicht
    Hier wird es wahrscheinlich schwierig. Alle guten, kategorienspezifischen Domainnamen sind schon weg. Ich hatte Glück, der Name meines Buchs war noch frei. Die Domain lektorat.de wird sicher schon vergeben sein. In jedem Fall sollte aber mindestens ein Schlüsselwort der Hauptbotschaft in der Domainenbezeichnung enthalten sein, denn hier schauen die Suchmaschinen hin. Kommt noch…
  6. Theme – ein Template für alle Fälle
    Wordpress basiert auf sogenannten Themes. Das sind vorgefertigte Layoutbaukästen, die schon eine bestimmte Struktur und Formensprache mitbringen. Es gibt Tausende und die meisten sind ebenfalls kostenlos. Themes werden mit einem Klick in WordPress installiert und bringen dann für die Inhalte einen grafischen Editor mit.
    Grafischer Editor für die GestaltungMit diesem baut man dann den Inhalt der Seite. Das ist nicht schwer und entspricht im Prinzip der Vorgehensweise der Webseitenbaukästen. Aber man kann jederzeit die Begrenzungen von Themes verlassen und die Funktionen mit sogenannten Plugins oder auch selbstgeschriebenen HTML, CSS und Javascript erweitern. Ich habe beispielsweise den schicken 3-D Effekt beim Scrollen der Hauptseite ergänzt.
  7. Plugins – die Heinzelmännchen für alle Aufgaben
    Plugins sind Erweiterungen für WordPress. Wie die Themes, werden auch diese mit einem Klick installiert und bieten neue Helferlein, wie z.B. Like-Buttons, Kommentar- und Diskussionfunktionen, etc. an. Auch hier einfach mal suchen, auf wordpress.org gibt es so gut wie alles.
    Das Plugin Jetpack ist meiner Meinung nach Pflicht. Es bietet eine Vielzahl an zusätzlichen Funktionen und Widgets an, stellt eine Besucherstatistik zur Verfügung und erlaubt in der bezahlten Version auch automatische Backups.
  8. Rechtliche Belange nicht vergessen
    Achtung, da draußen lauern Abmahnanwälte. Unbedingt im Internet nach „Impressumrecht“ suchen. Es gibt einige gute Seiten, die erklären, was unbedingt im Impressum stehen muss.
  9. Die Seite steht – und keiner kommt
    Das ist leider die ernüchternde Wahrheit. Ein einzelnes Blatt verliert sich im Rauschen des Waldes. Die Besucher kommen nicht von alleine, sie müssen aktiv auf die Seite geholt werden.
    Es gibt mehrere Arten von Traffic. Beginnen wir mit dem organischen Traffic. Dieser kommt direkt von den Suchmaschinen. Die Algorithmen, mit denen die Suchmaschinen die Plätze auf der begehrten ersten Seite vergeben, sind ein wohlgehütetes Geheimnis.
    Auf jeden Fall ist relevanter Inhalt ausschlaggebend und langfristig erfolgreich. Wieder ein Punkt für WordPress & Co., denn mit einem CMS kann man die Seite einfach mit kleinen Beiträgen anreichern oder immer wieder Neuigkeiten einbauen. Das finden Suchmaschinen spannend. Mit der Webseite zu meinem Buch war ich nach 3-4 Wochen bei einigen Suchbegriffen auf diesem Wege schon auf der ersten Seite.
    Ebenfalls relevant sind die sogenannten Backlinks, d. h. Verweise von anderen Seiten auf die eigene Seite. Hier helfen Beiträge in Foren, Diskussionsgruppen, etc. Das ist aber harte Arbeit.
    Das nächste Segment ist der soziale Traffic. Also Verweise aus Facebook, Google+, Twitter und Co. Heutzutage einer der wichtigsten Traffic-Generatoren. Also heißt es, in sozialen Netzen aktiv sein und wertvoll sein. Nicht leicht.
    Zuletzt kann man auch Traffic kaufen. Das nennt sich anorganischer Traffic. Ein Klick bei Bing Ads oder Google AdSense kostet für die typischen Suchbegriffe für Bücher aktuell um die 10 Cent. Bing Ads hat mir einen Gutschein geschenkt und den habe ich investiert. Die Klicks kommen, aber die Qualität dieses Traffics ist nicht besonders hoch, d. h. die Besucher verlassen die Seite oft genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind. Durchschnittlich kostet ein verkauftes Buch auf diesem Wege 3-4 Euro. Lohnt sich also nicht wirklich.
    Wichtig ist es, die Seite bei Google und Bing anzumelden und auch zu überprüfen, ob die Bots die Seite „verstehen“. Ebenfalls nur ein paar Klicks und mit den sogenannten Webmastertools bei Google und Bing schnell erledigt. Hier sieht man dann auch, wer alles die eigene Seite verlinkt und wie oft die Seite geklickt wird.
    Wer es ganz genau wissen will, kann auch noch das kostenlose Google Analytics nutzen, aber die wichtigsten Daten über Anzahl Besucher, besuchte Seiten, etc. liefert Jetpack bereits.
  10. Der Traffic kommt endlich – wie geht es weiter
    Wenn die Last auf der Seite steigt, was ja gut ist, muss man sich irgendwann über Performance Gedanken machen. Hier hilft ein Caching Plugin. WP Fastest Cache funktioniert reibungslos und verdoppelt die Geschwindigkeit der Seite.
    Die Kehrseite der Bekanntheit sind die Hacker. Also immer schön sichere Passwörter vergeben und darauf achten, dass alle Versionen aktuell sind, etc. Im Prinzip das gleiche, wie mit dem PC zu Hause und kann man mit WordPress alles aus der Administrationsoberfläche erledigen. Wenn es doch mal schiefgehen sollte, dann hilft die letzte Datensicherung. Hier bieten die Hoster vorgefertigte Lösungen an oder man nutzt die Backuplösung von Jetpack. Ab und an mal die Inhalte aus WordPress zu exportieren und auf dem heimischen PC zu speichern, ist zusätzlich sinnvoll. Wenn die Seite sehr bekannt ist, empfehle ich das Plugin Wordfence. Das hält die Hacker sicher draußen.

Hört sich alles sehr aufwendig an, ist es aber nicht. Eine erste gute Seite ist in 4-5 Stunden online. Der Feinschliff dauert sicher noch einige weitere Stunden. Es gibt umfangreiche Tutorials im Netz und in Foren. Ich beantworte auch gerne Fragen. Aber das ist nur Technik. Die Hauptarbeit liegt im Inhalt und den muss man eh selber herstellen.

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