Außerirdische haben auch nur zwei Beine

Alien Kopf
Die Begegnung mit Außerirdischen gehört zu Science Fiction wie das Salz in die Suppe. Und egal, ob in Filmen oder in der Literatur, in den meisten Fällen ähneln die Außerirdischen uns Menschen auffallend in ihren wichtigsten Körpermerkmalen. Konnte man dies in den filmischen Anfängen noch auf die eingeschränkte Tricktechnik zurückführen, hat sich dies bis heute in der Mehrzahl nicht verändert. Seien es Star Wars, Star Trek oder auch die aktuell sehr beliebten Marvel Umsetzungen, die Außerirdischen sehen zumeist aus wie Schauspieler, an denen sich kreative Maskenbildner ausgetobt haben. Zum Glück gibt es aber auch erfrischende Ausnahmen, allen voran die Alien Serie und die Gäste der Männer in den schwarzen Anzügen.

In der Literatur und erst recht in der filmischen Popkultur verfolgt die Vermenschlichung der Aliens einen einfachen Zweck, nämlich dass sich der geneigte Leser oder die Zuschauer in die handelnden Protagonisten hineinversetzen und eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen kann. Vielleicht nicht gerade bei Aliens, denn da verkörpert das außerirdische Wesen ja auch das abgrundtief Böse, aber ich erinnere mich noch gut an E.T. aus meiner Jugend. Was haben wir Rotz und Wasser geheult, als es so aussah, als sei der knuddelige, kleine Außerirdische gestorben.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Körperbau?

Aber die Frage nach dem Aussehen potenzieller außerirdischer Lebensformen ist eine durchaus interessante wissenschaftliche Frage. Leben gibt es auf der Erde in den vielfältigsten Formen, aber das, was wir gemeinhin als bewusste Intelligenz einordnen, hat sich auf der Erde nach allem was wir wissen, nur beim Menschen entwickelt. Nur der Mensch beherrscht seine Umwelt mithilfe von Technologie – zum Guten wie zum Schlechten – und nur der Mensch versucht der Natur aller Dinge neugierig auf den Grund zu gehen.

Warum ist das so? Können wir eventuell aus der Tatsache, dass nur der Mensch diese Form der bewussten Intelligenz entwickelt hat, von uns auf intelligente, außeriridische Lebensformen schließen? Bevor ich näher auf aktuelle Forschungsergebnisse eingehe, möchte ich die weitere Argumentation zwei Charakteren aus meinem Roman überlassen.


Am Abend saß er mit seiner Gemahlin in ihrer provisorischen Unterkunft. Sie hatten etwas gegessen und bereits die wichtigsten Aufgaben des nächsten Tages besprochen. Endlich kamen sie nach den Anstrengungen des langen Tages langsam zur Ruhe und plötzlich fielen ihm wieder seine Fragen zu der eingeborenen Lebensform ein.
„Warum gleicht sich die Körperform bei intelligenten Wesen in unserer Galaxie immer wieder? Also zwei Augen, zwei Ohren, vier Gliedmaßen, weitestgehend aufrechter Gang. Ach, du weißt schon, was ich meine.“
„Wir haben diesbezüglich bisher nur Vermutungen. Aber es scheint so, dass die Entwicklung dessen, was wir als Intelligenz ansehen, d. h. Selbstbewusstsein, Problemlösungskompetenz, Abstraktionsvermögen, fundamentale Neugier und ein leistungsfähiges Gedächtnis, immer auf die gleiche Art und Weise abläuft. Sie setzt eng begrenzte Umweltbedingungen voraus.“

Die Erklärung reichte ihm noch lange nicht. „Und was heißt das im Detail? Schau dir zum Beispiel mal die diese eingeborene Lebensform an. Gut, sie sind kleiner, haben längere Arme und die Kopfform ist auch anders. Und wahrscheinlich unterscheiden sich ihre inneren Organe auch von den unseren. Aber mir geht es mehr um die grundlegenden Merkmale wie beispielsweise stereoskopisches Sehen und Hören und den allgemeinen Körperbau.“
„Genau das wollte ich dir ja gerade erklären. Alle Planeten, auf denen wir bisher Leben entdeckt haben, ähneln sich stark. Die Zentralsonnen dieser Planeten haben ungefähr die gleiche Größe und Spektralklasse und die Planeten umkreisen diese Sonnen alle in einem ähnlichen Abstand. Dieser Abstand bestimmt zu einem großen Anteil die Oberflächentemperatur. Auch scheinen die Masse und damit die Gravitationsverhältnisse auf den Planeten eine große Rolle zu spielen. Dann braucht es noch ausreichend Wasser, Sauerstoff und Kohlenstoff in der Atmosphäre.“ Sie dachte kurz nach und kam dann zum Schluss. „Wenn man alles zusammennimmt, und meine Liste ist sicher nicht vollständig, dann sind die Bedingungen, unter denen organisches Leben entstehen kann, sehr eng begrenzt.“

Auch mit dieser Erklärung war er noch nicht zufrieden. „Das verstehe ich, aber du hast damit meine Frage immer noch nicht beantwortet. Organische Lebensformen haben wir viele gesehen und auch auf diesem Planeten gibt es sicher eine Menge unterschiedlichster Wasser-, Luft- und Landlebewesen. Aber die Spezies, die uns beobachtet hat und die offensichtlich gerade dabei ist, primitive Intelligenz zu entwickeln, passt mal wieder genau in das von mir beschriebene Muster.“
„Geduld, das war auch nur der erste Teil meiner Antwort. Also, an erster Stelle stehen gleiche oder hochgradig ähnliche planetarische Bedingungen. Als Nächstes kommt dazu, dass die Basismoleküle des Lebens, die einfachen Aminosäuren, seit Milliarden von Jahren auf Kometen durch die Leere verteilt werden. Es gibt sogar Fälle, wo bereits einfache Lebensformen wie Bakterien auf diesem Wege zu neuen Planeten gelangen. Damit steht allen Planeten das gleiche Ausgangsmaterial für die Entwicklung von organischem Leben zur Verfügung und daher sehen wir auch auf allen Planeten sehr ähnliche Lebensformen. Insbesondere scheinen sich bei Jäger-, aber auch bei Fluchtlebewesen stereoskopische Sensoren für räumliches Sehen und Hören zwingend zu entwickeln. Die räumliche Ortung ist für beide Kategorien evolutionär von großem Vorteil. Und bei großen Landlebewesen entwickeln sich anfänglich immer vier Gliedmaßen. Das scheint das Optimum aus eingesetzter Energie und den erwünschten Eigenschaften wie Beweglichkeit und Standfestigkeit zu sein.“

Er holte bereits Luft, aber sie hob den Finger. „Kommen wir nun zur Intelligenz. Du hast ja selbst gesagt, dass ein wichtiger Teil der Intelligenz die Problemlösungskompetenz ist. Diese entwickelt sich, sobald Lebewesen beginnen, Werkzeuge für ihren alltäglichen Bedarf einzusetzen. Und je komplexer die Werkzeuge, desto schwieriger die Probleme, die damit gelöst werden können. Dadurch setzt eine sich selbst verstärkende, beschleunigte Entwicklung ein. Und komplexe Werkzeuge zeichnen sich in der Regel auch durch eine anspruchsvolle Bedienung aus, wodurch die Entwicklung leistungsfähiger Greiforgane gefördert wird. In der Evolution wird dafür so gut wie immer ein Paar Gliedmaßen spezialisiert, womit wir beim aufrechten Gang wären. Einhergehend mit der Kompetenz zur Lösung komplexer Problemstellungen, entwickeln sich auch sehr schnell die anderen Aspekte der Intelligenz, wie Abstraktionsvermögen, Gedächtnis usw. Das Gehirn und damit der Kopf werden größer. Verfügbarkeit und Art der Nahrung spielen auch eine Rolle, wenn auch eine untergeordnete.“


Was sagt die Wissenschaft dazu?

Diese überzeugende Herleitung der Zusammenhänge führt uns also zu dem Schluss, dass die Macher von Star Trek, Star Wars & Co. durchaus richtig liegen könnten. AlienAber sind diese Argumente auch wissenschaftlich haltbar? Nun, vor Kurzem haben einige renommierte Forscher der Universität Oxford eine Arbeit vorgelegt, in der sie zu einem sehr ähnlichen Schluss gekommen sind. Die Kernaussage der Arbeit, auch Darwin’s Aliens genannt, fasst das folgende Zitat sehr gut zusammen:

„Vorausgesetzt, dass Aliens großen Veränderungen ausgesetzt sind – was dem entsprechen würde, wie sich Komplexität in den Arten auf der Erde ausgebildet hat – können wir sagen, dass eine gewisse Berechenbarkeit der Evolution dazu führen würde, dass sie aussehen wie wir.“

Wie dieses Zitat vermuten lässt, nähern sich die Autoren mit dem Werkzeugkasten der Evolutionsbiologie der Frage nach dem Aussehen von intelligenten Außerirdischen. Sie kommen zu dem Schluss, dass auf einem Planeten, dessen Lebensformen immer wieder von tiefgreifenden Veränderungen in ihrer Entwicklung gestört werden, sich an einem Punkt eine intelligente Lebensform ausbildet, die uns Menschen sehr ähnlich sein sollte. Am Ende folgt die Herleitung in weiten Teilen der Argumentation aus meinem Roman. Natürlich werden sich Außerirdische nicht einfach nur durch ein paar Höcker auf dem Schädel oder spitzen Ohren von uns Menschen unterscheiden. Und es sind auch nicht zwangsläufig kleine graue Männchen mit großen Kulleraugen. Viele Körpermerkmale werden sich deutlicher von den unsrigen unterscheiden, aber die grundlegenden Elemente der Konstruktion gleichen sich möglicherweise.

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